Page images
PDF
EPUB
[merged small][ocr errors][ocr errors]

Vorrede.

Während der letzten vier Jahre sind in Berlin zwei Pamphlets über die Amerikanische Frage erschienen; das eine von Mr. Hudson, der sich selbst Legations-Secretair der Vereinigten Staaten nennt; das andere von Hon. James Williams, damaligem Gesandten der Vereinigten Staaten bei der Pforte. Da der Verfasser der folgenden Zeilen die Ehre gehabt, 16 Jahre als Legations-Secretair in Berlin und 8 Jahre als MinisterResident der Vereinigten Staaten in der Schweiz zu verweilen, und Umstände seinen Aufenthalt in hiesiger Stadt für jetzt erfordern, so hält er es für angemessen, die kolossalen falschen Darstellungen der amerikanischen Angelegenheiten und die verabscheuungswürdigen Verläumdungen gegen den Präsidenten Lincoln, der Vereinigten Staaten Regierung und das amerikanische Volk nicht mit Stillschweigen zu übergehen.

Dieser kurzer Umriss wird dem unpartheiischen, europäischen Leser eine richtigere Vorstellung der Ursachen und der Natur des Amerikanischen Kampfes liefern als die beiden obenerwähnten Pamphlets.

Die Wahl eines Anti-Sklaverei Präsidenten, Mr. Lincoln, welche die amerikanische Rebellion veranlasste, erinnert an die Erzählung der Sibylle von Cumae. Sie bot dem römischen Könige Tarquin II. neun prophetische Bücher zum Kauf an. Er schlug sie des hohen Preises balber aus. Sie kam zum zweiten Mal mit nur sechs

VI

[ocr errors]

Büchern und ohne von dem Preise abgelassen zu haben. Der König verweigerte wiederum aus demselben Grunde. Sie kehrte zum dritten Mal mit nur dreien zurück, und der König erstaunt und klüger geworden kaufte sie, aber für den Preis, welcher für die neun gefordert worden. Es war indessen zu spät. Er verlor seinen Thron.

Das amerikanische Volk hat einigermassen dieselbe Probe aber mit besserm Erfolge bestanden. Die Gelegenheit sich von der Sklaverei frei zu machen, ist nicht nur drei Mal, sondern mehr als zehn Mal, und jedes Mal mit furchtbareren Hindernissen und grössern Opfern, vom Himmel dargeboten worden. Der Verfasser sagt „dargeboten“ weil das Volk die Gelegenheit die Sklaverei mit Gewalt abzuschaffen nicht suchte. Sie wurde ihm von den Rebellen unerwartet und brutal aufgedrungen. Es war gezwungen dieselbe zu benutzen, oder die Republik aufzugeben der immer zunehmenden Hydra entgegenzutreten und sie zu vernichten, oder von ihr vernichtet zu werden.

Der Verfasser hat sich bemüht diese Wahrheit durch eine einfache Darlegung historischer Thatsachen zu beweisen. Er kann sein Erstaunen über die Sympathieen für den Süden nicht verhehlen, so wie über die abgeschmackten Beschuldigungen (alle Thatsachen und alle edle moralischen Fragen ignorirend) gegen Präsident Lincoln und das amerikanische Volk, weil sie den Entschluss gefasst, eine barbarische Rebellion zu unterdrücken und nicht eher nachzulassen, bis sie ihre Aufgabe vollführt hätten.

8. 1.

Einleitung.

Eine grosse

Der ernste Beobachter kann das Panorama der Geschichte nicht an sich vorübergehen sehen, ohne den fortwährenden Kampf des Guten mit dem Bösen zu erkennen. Schlacht ist immerdar geschlagen worden und leider der Sieg oft auf der Seite des Bösen geblieben. Während ein grosser Theil des menschlichen Geschlechts in Asien, Africa und den Inseln Oceanien's in tiefer Barbarei darnieder lag, ja selbst die aufgeklärten Völker Europa's im Namen, aber selten im Geiste des Christenthums regiert wurden, schien die Entdeckung Amerika's eine Gelegenheit zu bieten, die menschliche Gesellschaft nach weniger selbstsüchtigen Grundsätzen aufzubauen.

Es ist nicht unsere Absicht, eine Geschichte der Vereinigten Staaten zu liefern, sondern einfach in einem kurzen Umriss ') zu zeigen, wie dieser Kampf des Guten mit dem Bösen von der alten Welt in die neue übertragen wurde.

Europäische Ansiedler fanden ein Gebiet vor, welches in einer viel früheren Periode von einem nicht mehr bestehenden Volke bewohnt war, dessen Existenz jedoch alte Ruinen bezeugen, die auf eine viel höhere Cultur, als die der Nordamerikanischen Indianer schliessen lassen. Vielleicht haben die Montezumas oder die Azteks, indem sie sich vor den Kriegen mit den wilderen Stämmen nach den sonnigeren Gegenden Mexico's oder Peru's zurückzogen, diese Ruinen hinterlassen. Das Gebiet war mit Wäldern und Prärien bedeckt, von wilden Thieren und vielleicht noch wilderen Menschen bewohnt, welche, obwohl beständig in Krieg mit einander begriffen, doch sich zu vereinigen bereit waren, wo es sich um die Ausrottung der Fremden handelte.

1) Wir verweisen den Leser in Betreff einer ausführlicheren Darstellung auf die vortreffliche „Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika“, von Karl Friedrich Neumann. Berlin 1863,

8. 2. Entdeckungs-Periode.

1497-1697.

Im Jahre 1497, ein Jahr bevor Columbus das Festland von Süd-Amerika entdeckte, wurde Johann Cabot, ein Venetianer, von König Heinrich VII. von England zu einer EntdeckungsEroberungs- und Handelsreise nach dem Westen ausgesandt. Er berührte Labrador und Neufoundland. Im folgenden Jahre segelte sein Sohn Sebastian ab; um eine nordwestliche Durchfahrt (Northwestpassage) nach China aufzusuchen. Da er wegen des Eises der nördlichen Breitengrade nicht weiter vordringen konnte, so fuhr Cabot an der Küste hin bis nach der Chesapeake Bay, vielleicht auch tiefer hinab gen Süden.' Bei seiner Rückkehr berichtete er den Engländern, dass das Land reich an Fischen wäre. Auf diese Entdeckungen waren Englands Ansprüche auf die Länder seiner Nordamerikanischen Colonien gegründet.

Im Jahre 1513 entdeckte Ponce de Léon, ein Spanier, Florida und nahm formlichen Besitz von diesem Lande.

Im Jahre 1523 wurde Johann Verrazzani, ein Florentiner, von Franz I. von Frankreich auf eine Entdeckungsreise ausgesandt. Er segelte an der Küste des Festlandes hin vom Cap May nach Neufoundland. Bald nachher fingen die Franzosen an, Canada zu colonisiren.

Im Jahre 1539 landete der Spanier De Soto in Florida, unterwarf die Eingebornen und drang kämpfend 200 Meilen, ins Innere. des Landes vor.

« PreviousContinue »